1. Herkunft, Voraussetzungen (1514-1545)               Holle        10.02.18                 

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde die „Genealogia des weitberhümpten, uhralten,  adelichen Geschlechts von Holle" herausgegeben', die in der Überschrift folgende Bemerkung enthält: „Daraus zu unsern Zeiten der Hochwirdige Fürst Eberhard, Bischoff zu Lübeck und Verden, Herr zu St. Michael in Lüneburg, Georg von Holle, der Königlichen Mayestät zu , Spanien und. Denemark etc. Kriegs Obrister, und andere fürnehme, lobliche Helden entsprossen sind."

Als Stammvater ist darin ein Johann von Holle angegeben, der Urgroßvater Georg von Holles 2. Er war Droste in Neustadt am Rübenberge in der Nähe des Steinhuder Meeres und wurde im Kloster Loccum beigesetzt. Seine vier Söhne liegen ebenfalls in Loccum begraben ein Hinweis darauf, wo dieses Geschlecht zu Hause war. Auch in der folgenden Generation war das noch so, doch zeigen die Angaben über Wirkungs- und Bestattungsorte, dass die Familie weiter ausgriff: Wunstorf, Verden, Braunschweig, Lüneburg, Lübbecke. Hier fand Rudolf von Holle, der Vater Georgs, seine Ruhestätte.

In diesen drei Generationen verschwägerten sich die Holle mit fast allen Familien, die in ihrem Bereich Rang und Namen hatten: v. Rommel, v. Halle, v. Münchhausen, v. Heimburg, v. Wulffen, v. Alten, v. Oberg, v. d. Schulenburg, v. Reden und v. Bortfeld. - Acht Angehörige der Generation, zu der Holles Vater gehörte, lebten im geistlichen Stande. Wie schon der Stammvater Johann von Holle waren einige seiner Söhne und Enkel Drosten, ein Enkel war Hauptmann. Wenn wir dann noch erfahren, dass durch die, Familien der Mutter und Großmutter neben anderen die v. d. Bussche, v. Langen und Ledebur zur Verwandtschaft gehörten3, so kennen wir den Bereich, in den Georg von Holle durch seine Geburt hineingehörte 4.

Foto: Buch Mindener Beiträge 12 von Gertrud Angermann "Der Oberst Georg von Holle 1514 - 1576" 

1.Münster, Rombergsches Archiv: Buldern, Akten Nr. 27, mit handschriftlichen Zusätzen. - Zitate werden buchstabengetreu gegeben, nur werden Groß- und Kleinschreibung, Worttrennung sowie die Zeichensetzung den modernen Gewohnheiten angeglichen. Ein „v" ist durch „u" ersetzt, wenn das Verständnis dadurch erleichtert wird. In den wenigen Fällen, in denen in der Vorlage ein „e" über einen Vokal gesetzt ist, ist aus drucktechnischen Gründen so verfahren: handelt es sich zweifelsfrei um einen Umlaut, ist dieser in der heutigen Art wiedergegeben, in zwei anderen Fällen Ist das e dem Vokal nachgestellt.

2. Die ältere, z. T. sagenhafte Geschichte der Familie kann hier außer Betracht bleiben. Dazu Chytraeus S. 590 und v. d. Horst, Rittersitze S. 111 f.

3. Die Ahnenreihen finden sich auf dem Epitaph Georg von Holles in der Marienkirche zu Minden und auf einem Gemälde, das Holle darstellt, auf Haus Mark bei Tecklenburg.

4. über viele Angehörige der Familie Holle und verwandter Familien vgl. Neukirch passim.

Als Georg (oft auch Jürgen, auch Jorgen oder Jorg 5) im Jahre 1514 geboren wurde, war in Deutschland der Name Luthers noch unbekannt, und niemand konnte ahnen, in welch wechselvolle Zeit dieser Sohn Rudolf von Holles, des Drosten der Mindener Bischöfe, hineingeboren wurde. Durch seine Stellung war der Vater dem alten Glauben und der alten kirchlichen und weltlichen Ordnung eng verbunden, andererseits Erschütterungen des bestehenden Gefüges auch unmittelbar ausgesetzt. Mehr noch als in einem weltlichen Territorium mussten in einem geistlichen wie dem Stift Minden die Wandlungen, die durch die Reformation die alten Glaubensvorstellun­gen ergriffen, sich auf das Verhältnis jedes einzelnen zur Obrigkeit auswirken. Damit hing dann auch das gesamte soziale Gefüge zusammen. Dazu kam, dass wie im übrigen Deutschland auch im Wesergebiet gerade die Stellung des niederen Adels, zu dem die Holles gehörten, in einer Wandlung begriffen war. Diese Schicht wuchs mit dem neuen Jahrhundert aus ihrer bisherigen Rolle, die stark durch das Herkommen bestimmt war, heraus, wurde selbstbewußter, aktiver und stand dadurch oft in Frontstellung gegenüber dem oder den Landes- und Lehnsherren. Schon vor den berühmter gewordenen Kämpfen Sickingens hatte es in Niederdeutschland einen Kampf des Adels gegen Fürstenmacht gegeben: die Hildesheimer Stiftsfehde, 1519 beginnend6. Die wiederum hatte einen Vorläufer (ab 1512) in den Kämpfen der den Holles verwandten v. Rommel und v. Halle, dazu der v. Klencke, die auch später in den Familienkreis der Holles gehörten, gegen die Grafen von Hoya, die in finanzieller Abhängigkeit von diesen Familien standen 7. Es würde zu weit führen, das Hin und Her der Kämpfe im einzelnen darzulegen, obwohl es sich um die ersten einigermaßen bewussten Eindrücke Georg von Holles von der großen Welt handelte. Die Auswirkungen reichten nämlich bis Minden. Schon 1519 wurde Hausberge, der Amtssitz der Drosten, also wahrscheinlich auch der Wohnsitz des Rudolf von Holle und seiner Familie, in Brand gesteckt8. Georg von Holles Vetter und späterer engster Kampfgefährte, Hilmar von Münchhausen, verlor bei der Belagerung Aerzens (bei Hameln) 1518 als Sechsjähriger sogar seinen Vater9.       
Entscheidender noch sind Gesinnung und Motive, die dahinter standen. Man
hat von Frühkapitalismus gesprochen 10,         
Holle

5 Jeorge(n), Jorge, Jurge und Jörg, Görg, Görgen, Jorn begegnen auch, aber seltener. Für den Familiennamen finden sich folgende Varianten: Holl(a), Hollo, Holde, Hull(e), Hulla, Hoehl und 0l, in einer spanischen Quelle Banholtz und in einer anderen Vanhol (Lemaire S. 303 u. S. 245); „von" und „van" wird in niederdeutschen und hoch­ deutschen Quellen in gleicher Weise verwandt.