Das Markengericht               10.02.18       

Die sehr wichtigen militärischen Dienste dieser Familien für das Bistum Minden führten auch zur Übertragung an sich landesherrlicher Hoheitsbefugnisse, wie die Holzgrafschaft, die die Bischöfe von Minden im Mittelalter auch aus dem ihnen vom deutschen König im Jahre 991 übertragenen Forstbann abgeleitet hatten. So war die Familie von Schloen, genannt Gehle, schon 1406 im Besitz der Holzgrafschaft über die Hedemer Mark, in der die Bauernschaften Hedem und Lashorst lagen.
Später beanspruchten und praktizierten die von Schloen, genannt Gehle, sogar die obere Gerichtsbarkeit über die Bauernschaften Hedem und Lashorst, mussten diesen Anspruch aber 1617 in einem Vergleich mit dem Landesherrn au
f geben.
Jedenfalls muss es in Hollwinkel einen Platz gegeben haben, wo das Markengericht oder Hölting der Hedemer Mark stattfand. Natürlich muss diese Stelle in unmittelbarer Nähe von Hollwinkel gesucht werden. Oft fand der Ort solcher Gerichtsversammlungen unter einer Linde statt, wie sich an zahlreichen Beispielen belegen lässt. Vielfach handelt es sich heute um Naturdenkmäler, die sehr selten geworden sind.
An der Gräfte des Rittergutes Hollwinkel findet sich ein solches Naturdenkmal, eine alte in mehrere Arme gespaltene Linde, der man ihr hohes Alter schon äußerlich ansieht. Die Linde ist unter den anderen Linden der weitaus älteste Baum an der Gräfte.
Vor dem Stamm befindet sich ein alter steinerner Tisch mit einer Steinbank, die sich hier seit Menschengedenken befinden. Es hat fast den Anschein, als wenn die alte Linde und der steinerne Tisch mit Sitzgelegenheit eine geschichtliche Einheit bildet, die mit den früheren Markengerichtsversammlungen in Verbindung steht. Neben ihrer Rolle als Naturdenkmal kann die alte Linde auch eine geschichtliche Rolle gespielt haben, in deren Schatten sich die Markgenossen der Bauernschaften Hedem und Lashorst zum „Hölting“ versammelt haben. Hier wurde dann vom Besitzer von Hollwinkel, der Familie von Schloen genannt Gehle, das Markengericht der Hedemer Mark abgehalten. Hierzu mussten alle Markenberechtigten in den Bauernschaften Hedem und Lashorst mindestens einmal jährlich erscheinen. Dies waren ursprünglich die alten Erbenhöfe, die später auch als Meierhöfe bezeichnet wurden. Sie sind die eigentlichen Altbauern und bilden die älteste bäuerliche Siedlungsschicht.
In Lashorst gab es davon im Jahre 1646 zwei und in Hedem acht Höfe. Auch spätere Siedlungsschichten wie die der Kötter und Markkötter waren in der Hedemer Mark berechtigt und mussten zum Hölting erscheinen. Um 1780 wurden die Marken geteilt und das Land wurde auf die Berechtigten nach ihrer Klasse verteilt. Dies bedeutete auch das allmähliche Ende der Markengerichtsbarkeit.