Familie Schloen                   10.02.18

Im Jahre 1350 wurde der Ritter Johan von Lübbecke mit dem "Hollwinkel" belehnt. Das Geschlecht von Lübbecke welches der Stadt Lübbecke seinen Namen entlehnt hatte, kommt schon früh im Stift Minden vor. Er sollte nämlich von der Burg Hollwinkel aus den Westen des Bistums Minden gegen die Grafschaft Ravensberg und das Fürstenbistum Osnabrück sichern, nachdem das Bistum Minden spätestens 1325 die Burg Limberg an die Grafschaft Ravensberg verloren hatte.
Eine erneute Belehnung der Burg Hollwinkel und der Hüffer Mühle erfolgte im Jahre 1408 an Statius von Lübbecke, dessen Familie in Mannesstamm 1439 ausstarb. Statius von Lübbecke war mit Künneke von Schloen verheiratet gewesen.

 

Wappen der Familie Schloen genannt Gehle

Der Familie Schloen gelang es nun, über ihre Verwandtschaft  mit der Familie von Lübbecke deren Lehen vom Bistum Minden zu erhalten. Der unmittelbare Lebensnachfolger des Statius v. d. Slon genannt Gehle. Er gehörte einem uralten Adelgeschlecht an, welches früher zum hohen Adel gezählt hatte. Das Geschlecht schrieb sich nach der jetzt eigegangenen Ortschaft Schlon (Slon) bei Wietersheim. Die von Schloen (Sloen) waren in ältester Zeit in der Wesergegend reich begütert und teilten sich am Anfang des 15. Jahrhunderts in 2 Linien, von welchem die einen den Beinamen "Gehle", die anderen den Beinamen "Tribbe" annahm. Statius von Schloen war der erste, der sich "Gehle" schrieb. Mit der Zeit fassten die Schloen genannt Gehle auch im westlichen Teil des Fürstentums Minden festen Fuß.

  Hüffe

1444 besaß Ernst von Schloen, genannt Gehle die Burg Hollwinkel. Die Wasserburg Hollwinkel wurde vermutlich durch die Bischöfe von Minden gebaut. Der gesamte bischhöfliche Lehnsbesitz des Bistums Minden in und um Hüffe und in Hedem war also vermutlich in die Hände der Familie Schloen, genannt Gehle, übergegangen.
Nach 1452 ist von einem Mindener Bauernhof, den 1440 genannten "Hof tor Huffe", an die Familie von Schloen, genannt Gehle, in den Mindener Lehnsregistern nicht mehr die Rede.
Ernst von Schloen, gennat Gehle, war im Grenzbereich der Bistümer Minden und Osnabrück einer der mächtigsten Adeligen, wobei er hier eine durchaus eigenständige Rolle spielte und an vielfältigen Fehden beteiligt war. Von seiner dem Bistum Minden lehnpflichtigen Wasserburg Hollwinkel aus, seinem Wohnsitz, sicherte er das Bistum Minden nach Westen und geriet dadurch auch in Konflikt mit dem Bistum Osnabrück und der Stadt Osnabrück.  
1456 kam es durch Ernst von Schloen  und dem verbündeten Grafen Johann von Hoya zu einer kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Bistum Osnabrück, die als "Mindener Händel" bezeichnet wird. 1458 war wieder Friede zwischen dem Bistum und Hollwinkel.
Im Sommer 1459 griffen die Aufgebote der Stadt Osnabrück die Burg Hollwinkel an und belagerten sie, konnten Hollwinkel jedoch nicht einnehmen. Dies spricht für den Charakter von Hollwinkel als einer stark befestigten Wasserburg. 
Ernst von Schloen, genannt Gehle (1499 - 1525) hatte 3 Söhne. Im Jahr 1529 nach einem Erbteilungsvertrag bekam Kurt den Rittersitz Hollwinkel, Johann den "Syben Hoff" und Ernst den Hof in Holzhausen mit der Wassermühle, den er zu einem herrschaftlichen Sitz ausbaute. Folgerichtig gehörten Ernst und Johan von Schloen zur ravensbergischen Ritterschaft und Kurt zur mindischen Ritterschaft.
So hatte zum Beispiel der Knappe Statius von Schloen genannt Gehle die Holzgrafschaft in der Hedemer Mark in Besitz und beanspruchte hier die niedere Gerichtsbarkeit. Das Bestreben des Adels und auch der Familie von Schloen, lag grundsätzlich darin, die Zahl der Eigenbehörigen zu erhöhen, um sich weitere Einkünfte, Abgaben und Dienste zu erschließen. Die Familie nutze ihre Verfügungsgewalt über die Hedemer Mark, um in der Mark auf ausgesonderten Grundstücken Söhne von Eigenbehörigen auf neuerrichtete bäuererliche Stätten anzusieden, die dann nach Hollwinkel oder ab 1520 auch nach Hüffe Eigenbehörig waren. Besonders die Familie Schloen, genannt Gehle, auf den Gütern Hollwinkel und Hüffe hat im 15. und 16. Jahrhundert für eine starke Bevölkerungsvermehrung gesorgt. Als Inhaber und Besitzer der Holzgrafschaft in der Hedemer Mark legten sie in der allgemeinen Mark Zuschläge an und sonderten Grundstücke aus, die den Markgenossen dann nicht mehr zu den typischen Marknutzungen wie Viehbetrieb, Schweinemast, usw. zur Verfügung standen. Auf den ausgesonderten Flächen wurden neue Markkotten errichtet und auf diesen z. B. nicht erbende Söhne eigenbehörigen Bauern angesiedelt. Auf dieser Weise wurde die Abwanderung von Eigenbehörigen in die Städte verhindert und gleichzeitig die Zahl  der Eigenbehörigen und auch der Abgaben und der Dienste der Familie von Schloen merklich erhöht.
Am 17. September 1559 überfielen Ernst von Schloen,  zu Hollwinkel das Haus Hüffe. In den Akten wird dieser Überfall als "Landfriedensbrüchiger Überfall und Plünderung des Hauses Hüffe" bezeichnet. Es werden Gegenstände wie Schmuck, Kleider, Tafelgeschirr und auch Pferde im Gesamtwert von 1987 Taler und 3434 Silber entwendet.
1571 - 1594 hatte Ernst von Schloen genannt Gehle den mindischen Landtag beigewohnt.

Militärische Verwicklungen zwischen Minden und Hessen wegen Hüffe         

Kurt Plato von Schloen, genannt Gehle, war der Sohn und Erbe von Ernst von Schloen, zu Hollwinkel. Er war militärischer Befehlshaber in braunschweigerischen und spanischen Diensten gewesen und ein im Kriegswesen erfahrener Mann. Er erkannte den Verkauf von Hüffe nicht an und sah wie sein Vater Ernst in dem Gut ein minidisches Mannlehen der Familie von Schloen, genannt Gehle. Um seinen Besitzanspruch durchzusetzen, überfiel er im Mai 1601 im Einverständnis mit dem Mindener Bischof Christian Braunschweig wohl unter dessen Beteiligung mit militärischer Gewalt das Gut Hüffe. Unter dem Gebrauch von Feuerwaffen wurde das Gut seiner Wertgegenstände beraubt und der dort weilende Diener Gert Wechter gefangen weggeführt. 
Dies war nun keine isolierte Angelegenheit mehr, denn es war der hessische Finanzminister Phillip Wilhelm von Cornberg überfallen worden. Nun besetzte der Rittmeister Burchard von Pappenheim mit hessischen Soldaten Hüffe und errichtete dort Verschanzungen, nach Mindener Angabe angeblich im Gebiet des Bistums Minden, in Wirklichkeit jedoch auf dem Gebiet der Grafschaft Ravensberg. Phillip Wilhelm von Cornberg hatte also Unterstützung in Hessen gefunden, und im Juli wurden Verhandlungen zur Beilegung der Streitigkeiten zwischen beiden Territorien ohne Ergebnis geführt. Die Streitigkeiten zwischen dem Bistum Minden und der Landgrafschaft Hessen nahmen nun ernste Ausmaße an. Der kriegsberühmte Graf Eberhard von Solms stand am 13. Mai 1602 im Begriff, mit 1400 Mann hessischer Soldaten durch die Grafschaft Lippe in das Fürstentum Minden zu ziehen, um Phillip Wilhelm von Cornberg zu Hüffe zu Hilfe zu kommen. Dies rief natürlich auch Graf Simon VI. zur Lippe als Obersten des Westfälischen Reichskreises auf den Plan. Kurt Plato von Schloen gab jedoch keine Ruhe. Für ihn war am 18. Mai 1602 am Hof in Prag ein günstiges kaiserliches Mandat ausgesprochen worden. Hüffe wurde ihm zugesprochen. Nach Erhalt dieses Mandats ließ er am 7. Juli 1602 nachts im Dorf Hedem die Dorfglocke läuten und rückte mit etlichen Soldaten vor Hüffe, wohl mit der Unterstützung des Mindener Bischofs Christian von Braunschweig-Lüneburg.  Seine eigenhörigen Bauern aus Hedem mussten diesem Signal folgen.  Das vorderste Tor des Rittergutes Hüffe wurde eingeschlagen und das Gut in der Nacht gestürmt, Brand gelegt, und die dort weilenden fürstlich-hessischen Gesandten wurden bedrängt. Es war eine schwierige Situation entstanden, und es drohte ein offener militärischer Konflikt zwischen dem Bistum Minden und der Landgrafschaft Hessen. Der Bischof befürchtete eine militärische hessische Exekution durch Graf Eberhard von Solms. Er wandte sich an den Landgrafen Moritz von Hessen, um die drohende Auseinandersetzung zu verhindern und rief auch Graf Simon VI. zur Lippe als Obersten des Westfälischen Reichskreises zur Verhinderung eines Landesfriedensbruches an. Graf Simon VI. warnte jedoch den Bischof davor, durch das Aufgebot seiner Landmiliz die geschaffenen Befestigungen von Hüffe zu zerstören. Bischof Christian musste daraufhin nachgeben. Graf Simon VI. zur Lippe bemühte sich um eine Vermittlung um die Streitigkeiten wieder von der militärischen Exekution zwischen Hessen und Minden auf den Prozessverlauf des Reichskammergerichts zurückzuführen, was ihm auch gelang.

Der als "Grenzstein" zwischen dem  Bistum Minden und der Grafschaft  Ravensberg  überlieferte eingemauerte  Stein in der heutigen Gutsküche von  Schloss Hüffe im  Jahre 2001. Der Stein dürfte  nach 1773  aus dem abgerissenen Herrenhaus der Familie von Cornberg in  den Neubau traditionell übernommen  worden sein.

               Hüffe

Der juristische Streit zwischen beiden Rittergütern schien sich ohne Ende weiter fortzusetzen. Am 11. Mai 1604 erging am Hof in Prag ein kaiserliches Mandat, mit dem die Ansprüche von Kurt Plato von Schloen zu Hollwinkel auf das Rittergut Hüffe zurückgewiesen wurden. Das zu seinem Gunsten am 18.05.1602 erlassene kaiserliche Mandat wurde kassiert und annulliert. Phillip Wilhelm  von Cornberg wurde in seine Rechte wieder eingesetzt und ihm das Gut Hüffe zugesprochen. Kurt Plato von Schloen, genannt Gehle, zu Hollwinkel wurde bei Gefahr der kaiserlichen Ungnade befohlen, die bei seinem Überfall auf Hüffe, der in der Urkunde als Landfriedensbruch und Invasion bezeichnet wurde, entwendeten Mobilien und Wertgegenstände zu ersetzen und Phillip Wilhelm von Cornberg wieder in den vollkommenen Besitz aller Rechte einzusetzen, wie es vor dem Überfall der Fall gewesen war. Kurt Plato von Schloen, musste nunmehr den Überfall im Gefängnis büßen. Damit waren die Ansprüche von Kurt Plato von Schloen  und des Mindener Bischofs Christian von Braunschweig-Lüneburg und seiner Vorgänger, die auf der Annahme beruhten, Hüffe sei auf mindischen Lehngrund erbaut und als Mannlehen würde es den männlichen Mitgliedern der Familie von Schloen, genannt Gehle, zu Hollwinkel zustehen, für immer abgewiesen worden. Entscheidend dabei war, und dies hatte  oder wollte die Mindener Seite nicht berücksichtigen, dass Johann von Schloen, genannt Gehle, der Jüngere mit seinem Vater 1520 den vermutlichen mindischen Lehnhof "Syben Hoff" auf Grund  des Bistums Minden in ein adliges Gut, das spätere Rittergut Hüffe umgewandelt und auf diesen Hof sitzenden Bauern per Vertrag entschädigt hatte. Nur einige Jahre später im Jahre 1524 erhielt Johann von Schloen, dann von Herzog Johan III. von Jülich und Grafen von Ravensberg Ländereien westlich der "Sieben Hüffe" auf dem Gebiet der Grafschaft Ravensberg  zugewiesen. Hier wurde dann das Haus Hüffe völlig neu erbaut und es lag nunmehr in der Grafschaft Ravensberg. Obwohl die ursprünglichen Kontrahenten im Streit zwischen den Rittergütern bereits verstorben waren, brauchten deren Erben bei dem generationslangen Streit doch noch einige Zeit bis zum Jahre 1608, um mit diesem Urteil  fertig zu werden und zu einem Vergleich zu kommen. Jedoch gingen noch die Reichskammergerichtsprozesse weiter. Noch am 8 Februar 1610 wurden die Eigengehörigen von Hüffe befragt. Johann Glauert zu Hedem sagte neben weiteren Zeugen aus, dass vor der Erbteilung der Brüder von Schloen, im Jahre 1529 die in diesem Vertag Hüffe zugewiesenen Eigengehörigen zum Rittergut Hollwinkel gehört hätten. Damit war auch klar ausgesagt dass vor der Erbteilung von einem Rittergut Hüffe nicht die Rede sein konnte. 1656 wurde das Ende einer 100 Jahre währenden Auseinandersetzung zwischen den Gütern Hollwinkel und Hüffe sowie dem Fürstentum Minden und der Grafschaft Ravensberg eingeleitet.
Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde derFamilienname Schlon unsinnigerweise französiert und entstand daraus "Chalon"; letzteres wurde nach der Aussprache vielfach "Schalon" geschrieben.
Sowohl die Grafschaft Ravensberg und das Bistum Minden gehörten nunmehr zum Kurfürstentum Brandenburg und hatten somit den gleichen Landesherren. Ein begrüßenswerter Umstand, der durch den jetzt möglich gewordenen Ankauf der Herrenhäuser durch vermögende Privatpersonen völlig neue Eigentumsverhältnisse zuließ. Auch für Hollwinkel sollten sich die Besitzerverhältnisse bald ändern. Der Grund: die dort ansässige Familie von Gehlen hatte keinen männlichen Nachfolger mehr.
So bot Friedrich der Große  - finanziell durch Kriege arg gebeutelt - gelegentlich einer Zusammenkunft mit seinen engsten Beratern dem anwesenden, aus Brakeln stammenden Minister, Graf von der Asseburg, das "Mindener Anwesen", wie er es nannte, für 50.000 Taler an. Ab dem 23.04.1758 gehörte nun Hollwinkel der Familie Asseburg.